1 Patente 
1.1 Aktuelles 
Am 16.1.2006 wurde erneut vom EU-Binnenmarktkommissar Charlie McCreevy
ein Anlauf zur Verabschiedung der umstrittenen Software-Patentrichtlinie
gestartet (siehe Heise-Artikel und Golem-Artikel). Der Kampf geht weiter…
Am 6.7.2005 wurde die europäische Richtlinie zu Softwarepatenten in der
2. Lesung im Europaparlament mit überwältigender Mehrheit von den
Parlamentariern abgelehnt (648 von 732, d.h. fast 90% votierten gegen die
von der EU-Kommission erarbeitete Richtlinie und nur 14 dafür, 18 enthielten
sich, siehe Heise-Artikel).
Aktuelle Meldungen zum Stand der Dinge findet man
unter Softwarepatent-Nachrichten.
1.2 Was ist ein Patent? 
Ein Patent ist — im Gegensatz z.B. zum Recht auf körperliche Unversehrtheit
— kein natürliches Recht, das einer Person eben zusteht. Patente
wurden vielmehr eingeführt, um ein volkswirtschaftliches Problem
zu lösen:
Ein Erfinder muss meist viel investieren, um eine Idee nutzbar zu machen. Weniger
innovative Zeitgenossen sparen diese Entwicklungskosten, indem sie die fertige
Erfindung einmal kaufen und anschließend kopieren. Der Erfinder wird daher
alles tun, um die technischen Details seiner Erfindung geheimzuhalten —
eventuell nimmt er die Erfindung sogar mit in sein Grab.
Um dieses Problem zu lösen, schafft der Staat per Gesetz einen Investitionsanreiz:
Er gewährt dem Erfinder ein zeitlich begrenztes Monopol (meist
20 Jahre) auf die wirtschaftliche Nutzung seiner Erfindung. Im Gegenzug
verpflichtet sich der Erfinder, die technischen Details der Erfindung in
einer Patentschrift offenzulegen. Das zeitlich begrenzte Monopol gewährleistet
dem Erfinder die Rentabilität seiner Investition. Nach Ablauf dieses
Zeitraums kommt die offengelegte Erfindung der Allgemeinheit zugute.
Dieses Monopol bewirkt zunächst einmal einen
volkswirtschaftlichen Schaden. Bei seiner Umsetzung muss daher darauf
geachtet werden, dass der durch den Investitionsanreiz bewirkte Nutzen diesen
Schaden wieder aufwiegt.
1.3 Softwarepatente 
Softwarepatente (von den Befürwortern oft beschönigend "Patente auf
computer-implementierte Erfindungen" genannt) stellen eine Bedrohung
für die Entwickler von (Open Source) Software dar, da sie die Entwicklung,
die Verteilung und den Verkauf von Software behindern und verteuern können.
Im Bereich des Internet ist das Problem besonders akut, da hier der
zeitliche Ablauf von Erfindungen ("prior art") sehr schlecht
dokumentiert wird und weltweit verteilt stattfindet.
Es gibt auch heute schon andere Möglichkeiten (z.B. das
Urheberrecht), um wirklich innovative Verfahren vor Nachahmung zu schützen.
Um ein (Software-)Patent anullieren zu lassen, bestehen ganze 3 Monate
Einspruchsfrist ab Erteilung. Man muss also ständig die Patentregister nach
unsinnigen Patenten durchsuchen und sofort reagieren. Nach diesem Zeitraum ist
die Anullierung nur über ein langwieriges und teures Verfahren möglich,
das ohne die Unterstützung durch einen auf Patentrecht spezialisierten
Anwalt hoffungslos ist.
Diese Suche nach konkret erteilten Software-Patenten wird leider stark
erschwert durch umständliche und "IT-ferne" Formulierungen, die den wahren
Sachverhalt sehr abstrakt und damit möglichst allgemein umschreiben. Es
ist also meistens schwierig, aus dem Wortlaut eines (Software-)Patents abzuleiten,
womit es sich genau befasst.
Hat man eine Interpretation anullieren lassen, bleiben meist noch viele
andere Interpretationen übrig, die getrennt anulliert werden müssen. So
kann mit einem einzigen (Software-)Patent ein ganzer Bereich
("claim") abgedeckt und die Forschung und Entwicklung
darin schwer behindert werden.
1.4 Triviale Softwarepatente 
Bereits heute liegen sehr viele (einige 10.000) absolut triviale und
unberechtigte Software-Patente beim Europäischen Patentamt (EPA) vor und
sind nur aufgrund der derzeitigen Rechtslage nicht durchsetzbar. Beispiele
hierfür sind:
- Per Einzelklick online einkaufen (Amazon)
- Online mit Kreditkarte zahlen
- Online-Einkaufskörbe
- Hyperlinks
- Scroll-Balken
- Pop-up-Fenster
- Übertragung von Messdaten
- Codierungsverfahren
Wenn Sie dazu genaueres wissen wollen, lesen sie bitte an folgenden Stellen nach:
1.5 Benachteiligung durch Softwarepatente 
Durch Softwarepatente werden große Firmen (z.B.
IBM,
Microsoft,
SIEMENS)
oder auch reine Patent-Verwalter, die keine eigene Software-Entwicklung
betreiben (z.B.
Acacia,
Catchcurve,
Eolas,
Forgent,
Friskit,
IP Innovation,
j2 Global Communications,
Sisvel,
Technology Licensing Corporation,
Timeline,
TPL)
bevorzugt.
Einzelpersonen und (kleine) mittelständische Firmen ohne
eigene Rechtsabteilung können sich aus Zeit- und Kostengründen gar nicht
die Recherchen und Lizenzgebühren leisten, die notwendig sind, um solche
Patente nicht (versehentlich) zu verletzen.
Patente sind eigentlich dazu da, Unternehmen vor großen Konkurrenten zu
schützen, aber nicht dazu, um Unternehmen
auszubeuten, die sich keinen Rechtsbeistand leisten können.
[Jason Schultz, EFF-Anwalt]
Große Firmen bauen häufig große Patent-Portfolios auf, um
im Falle einer Patent-Klage gegen sie möglichst viel "Munition im Köcher"
zu haben, den Klagenden mit einer Gegenklage überziehen zu können. Handelt
es sich beim Klagenden um eine kleine Firma, dann geht dieser schnell
das Geld aus, um den Rechtsstreit fortzusetzen, und sie wird sich auf einen
Vergleich einlassen (müssen), um unbeschadet aus der Sache herauszukommen.
Es gibt aber auch das Gegenteil: Eine kleine Firma mit eingekauften
Software-Patenten ohne Software-Entwicklung (also selbst kaum angreifbar)
klagt mit Hilfe von Wagniskapital gegen große Firmen als Verletzer dieses
Patentes und setzt sich durch (z.B. Eolas gegen Microsoft).
Große Firmen legen häufig Patent-Klagen bei, indem sie sich
gegenseitig Lizenz-Rechte an ihren Patent-Portfolios einräumen,
um einen langwierigen und teuren Rechtsstreit zu vermeiden.
1.6 Praxis der Europäischen Patentamtes (EPA) 
Software als solche ist nirgendwo in Europa patentierbar und deshalb gibt
es auch keine "echten" Softwarepatente. Es sind immer Verfahrenspatente,
die mit elektronischen Datenverarbeitungsvorrichtungen ausgeführt werden.
Das Europäische Patentamt (EPA) erteilt aber seit Jahren
Softwarepatente auf reine Software bzw. sogar "reine" Ideen im Software-Bereich
(für die im Extremfall noch keinerlei Algorithmus oder Implementierung in
Sicht ist). Diese Praxis ist nicht legalisiert, denn die Europäische
Patentübereinkunft von 1975 besagt ausdrücklich, dass "Programme für
Datenverarbeitungsanlagen als solche" nicht als patentfähige Erfindung
angesehen werden ("aber sehr wohl in Kombination mit Materie").
Allerdings wird dies regelmäßig dadurch umgangen, indem ein
irgendwie gearteter Bezug zur Technik/Materie hergestellt wird, und sei
es im Falle besagten Fortschrittsbalkens durch den Elektronen-Schreibstrahl
des Monitors auf der Phosphorschicht der Mattscheibe.
Diese Praxis hat leider folgende Konsequenzen:
Klagt ein Softwarepatent-Inhaber vor einem Gericht auf Verletzung
seines Patents und Unterlassung dieser Verletzung oder Lizenzzahlung,
dann prüft das Gericht im Rahmen des Verletzungsverfahrens nicht die
Rechtsbeständigkeit des erteilten Softwarepatentes, sondern allein
entscheidend für das Gericht ist, ob der Kläger Inhaber des Patents
ist und ob man es verletzt.
Der "Verletzer" muss daher ein paralleles Nichtigkeitsverfahren
vor dem Bundespatent-Gericht eröffnen (vorausgesetzt er hat Material,
mit dem er das Patent angreifen kann). Solange dieses das Patent nicht für
unrechtmäßig erklärt (und das kann Jahre dauern), gelten sämtliche Ergebnisse
und Unterlassungserklärungen des ersten Gerichtsverfahrens.
Das EPA interessiert nur bis zur Erteilung
eines Patents, d.h. nach Ablauf der Einspruchsfrist gilt die nationale
Gesetzgebung. Deshalb muss der "Verletzer" ein Europa-Patent in jedem
Land einzeln nichtig klagen.
Durch das EPA erteilte Patente sind also rechtskräftig und müssen
im Verletzungsfall nichtig geklagt werden, egal ob es um Software,
Autos oder Dauerlutscher geht.
1.7 Softwarepatent-Richtlinie 
Die Europäische Union wollte am 1.9.2003 ein Gesetz zur Legalisierung von
Softwarepatenten verabschieden, mit dem auf einen Schlag mehr als 30.000
bereits beim EPA eingereichte und von diesem bestätigte
Softwarepatente gültig geworden wären. Aufgrund der überwältigenden Proteste
dagegen wurde dies aber verschoben. Das heißt nicht, dass wir jetzt außer
Gefahr sind!
Demnächst werden das EPA und der Ministerrat erneut
über die Legalisierung und Einführung der "Softwarepatente" auch in Europa
entscheiden, mit denen in anderen Ländern (z.B. Amerika) große Firmen bereits
ihre Konkurrenz aus dem Markt drängen.
Dies kann dazu führen, dass viele Software-Projekte nicht mehr in
Europa weiterentwickelt werden können, da durch die bereits jetzt über
30.000 erteilten europäischen "Softwarepatente" (derzeit ja noch ohne
Rechtsgrundlage) ihren Inhabern Monopol- und Lizenzgebührenansprüche
auf triviale Dinge wie "Fortschrittsbalken", "Mausklicks in
Online-Bestellformularen", "Scrollen in Fenstern" und ähnliches entstehen.
Software-Entwickler müssten also zukünftig auch für ihre eigene, vollständig
selbst entwickelte Software, die eines dieser Patente möglicherweise verletzt,
Lizenzgebühren an den "Softwarepatent-Inhaber" bezahlen. Dies kann
die Entwicklung neuer innovativer Software für kleine und mittelständische
Unternehmen de facto unmöglich machen (ganz abgesehen vom Aufwand bei der
Recherche und den Kosten für die Rechtshilfen, um überhaupt festzustellen,
welche "Softwarepatente" verletzt werden könnten, wenn man die eigenen
Entwicklungen weiterhin vertreiben möchte).
Im Gegensatz zu echten Patenten auf technische Erfindungen sind
"Softwarepatente" in dem von der Kommission vorgeschlagenen Richtlinenentwurf
Monopolansprüche auf Geschäftsideen und Verfahren, auch ganz ohne
eine konkrete technische Implementierung.
2 Urheberrecht 
Laut TRIPS (Trade-related Aspects of Intellectual Property Rights) der
WTO (World Trade Organisation) werden Computerprogramme, egal, ob sie im
Quellcode oder Maschinencode ausgedrückt sind, als Werke der Literatur
nach der Berner Übereinkunft von 1971 (also nach dem Urheberrecht) geschützt.
Das Urheberrecht ermächtigt einen Autor, über die Verwendung seines
Werkes — Lesen, Verwenden, Kopieren — zu bestimmen. Es wurde für
Werke des Geistes ("Ideen") geschaffen. Das Patentrecht ist hingegen eine Art
"Urheberrecht für materielle Gegenstände", denn es gibt dem "Autor"
(Erfinder) die Kontrolle über das "Kopieren" (Nachbauen) des Werkes.
In den vergangenen Jahrzehnten hat sich das Urheberrecht als Motor der
Software-Industrie erwiesen. Es ermöglicht dem Autor eine angemessene
Kontrolle über sein Werk. Dies funktioniert bei Software noch besser als
z.B. bei Büchern, da es bei Software eine Trennung zwischen dem bearbeitbaren
Quelltext und der ausführbaren Binärform gibt.
Wer eine Software unabhängig entwickelt, kann umgekehrt sicher
sein, niemandes Urheberrecht zu verletzen. Derartige Rechtssicherheit
ist eine solide Grundlage für Existenzgründungen.
Probleme entstehen, sobald man das Patentrecht auf einen Bereich anwendet,
für den es nicht vorgesehen ist: Software, die eindeutig nicht
materieller, sondern geistiger Natur ist.
2.1 Unterschied Patent — Urheberrecht 
| Patent |
Urheberrecht |
| Reguliert Nachbau materieller Werke |
Reguliert Kopieren geistiger Werke |
| Muss beantragt und genehmigt werden |
Gilt automatisch |
| Kostet viel Geld |
Kostet nichts |
| Gilt bis zu 20 Jahre lang, muss verlängert werden |
Gilt bis 80 Jahre nach dem Tod des Autors |
| Wirkt auf zugrundeliegende Idee (Erfindung) |
Wirkt auf konkrete Realisierung |
| Betrifft auch unabhängige Parallelentwicklungen |
Betrifft unmittelbare Kopien, abgeleitete Werke und Plagiate |
| Wer keine Patente verletzen will, muss eine Patentrecherche durchführen |
Bei unabhängiger Entwicklung besteht keine Gefahr der Verletzung |
3 Zitate 
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3.1 Deutsche Bank Research 
Es spricht einiges dafür, dass Patente auf Software, die in USA gängige
Praxis sind und in Europa vor ihrer Legalisierung stehen, in Wirklicheit
die Innovation einschränken. Europa könnte immer noch den Kurs wechseln.
[Deutsche Bank Research]
Kleine und mittelständische Unternehmen sind unverzichtbare Anbieter von
wegweisenden Innovationen, wären aber von der Patentierbarkeit am negativsten
betroffen. Deren Mehrzahl wird von den Kosten der Patentierung abgeschreckt,
würde aber auch noch um die Softwarepatent-Bestände großer Konzerne herum
navigieren müssen.
[Deutsche Bank Research]
Man könnte zu der Annahme verleitet werden, immer strikterer Schutz
von geistigem Eigentum würde auch immer mehr Anreize für Innovation
schaffen. Diese Schlussfolgerung ist allerdings falsch. Ein erstklassiges
Beispiel sind Patente auf Software, was auf den ersten Blick so aussieht
wie eine logische Erweiterung des klassischen Technologiepatentes. Aber die
Erstellung von Software unterscheidet sich deutlich von der Erstellung von
Maschinen und dergleichen.
[Deutsche Bank Research]
3.2 Kartellbehörden 
Einen Patentbestand aufzubauen, indem man defensive Patente beantragt,
kann nicht immer gegen Raubüberfälle schützen.
[Bundeskartellbehörde der USA]
Immer mehr Patente in immer mehr Industrien und mit immer größerer Breite sind
nicht immer der beste Weg, um den Wohlstand der Verbraucher zu maximieren.
[Bundeskartellbehörde der USA]
3.3 Microsoft 
Ein zukünftiges Start-up mit keinen eigenen Patenten wird gezwungen sein,
jeglichen Preis zu bezahlen, den die Branchenriesen ihm auferlegen wollen. Der
Preis könnte hoch sein: Etablierte Unternehmen haben ein Interesse daran,
künftige Konkurrenten auszuschließen.
[Bill Gates (1991)]
Wenn manche Leute verstanden hätten, wie Patente erteilt werden würden,
als die meisten der heutigen Ideen erfunden wurden, und wenn sie sich dann
Patente geholt hätten, wäre unsere Branche heute im kompletten Stillstand.
[Bill Gates (1991)]
3.4 Open Source Vertreter 
Die US-amerikanische Erfahrung zeigt, dass Softwarepatente anders
als traditionelle Patente nicht zu Innovation und Forschungs- und
Entwicklungstätigkeit ermutigen, sondern das genaue Gegenteil passiert. Vor
allem schaden sie kleinen und mittelständischen Unternehmen und generell
allen, die neu in den Markt kommen. Sie werden nur den Markt schwächen und
die Ausgaben für Patente und Rechtsstreitigkeiten erhöhen, und das zu Lasten
der Ausgaben für technologische Innovation und Forschung.
[Linus Torvalds und Alan Cox (Linux-Entwickler)]
Es war einfach so: Wäre die Technologie proprietär gewesen und damit unter
meiner vollständigen Kontrolle, hätte das Ganze wahrscheinlich nie zum
Höhenflug angesetzt. Die Entscheidung, das Web zu einem offenen System zu
machen, war notwendig, damit es universell werden konnte. Sie können nicht
vorschlagen, dass etwas ein universeller Raum sein soll, aber gleichzeitig
die Kontrolle darüber behalten.
[Tim Berners-Lee, Erfinder des World Wide Web]
Von den Softwareprodukten, die weltweit Millionen von Installationen haben,
könnte MySQL durchaus dasjenige mit dem höchsten Anteil von Beiträgen
osteuropäischer Programmierer sein. Wir haben dort große Talente gefunden,
da osteuropäische Entwickler wertvolle Beiträge leisteten und wir sie über
das Internet kennenlernten. So haben wir immer mehr von ihnen in unserer
virtuellen Firma angestellt, in der es nicht annähernd so sehr auf geografische
Entfernungen ankommt wie darauf, die besten Mitarbeiter zu gewinnen.
[Maurizio Gianola, Vorstand für Softwareentwicklung, MySQL AB]
Das Bedürfnis von Softwareentwicklern nach dem Schutz vor Patenten überwiegt
das nach dem Schutz durch Patente.
[Christian Cornelssen, FFII]
3.5 Oracle 
Unser Unternehmen meint, dass der bereits bestehende Schutz durch
das Urheberrecht und durch Betriebsgeheimnisse besser zum Schutz von
Computersoftware-Entwicklungen geeignet ist, als das Patentrecht.
[Oracle Corporation Patent Policy]
Das Patentrecht gibt Erfindern ein exklusives Recht auf eine neue Technologie
im Gegenzug dazu, dass diese Technologie veröffentlicht wird. Dies ist nicht
angemessen für Branchen wie Softwareentwicklung, in welchen sich Innovationen
schnell vollziehen, ohne substanziellen Kapitaleinsatz geschaffen werden
können und tendenziell kreative Kombinationen von bereits bekannten Techniken
sind.
[Oracle Corporation Patent Policy]
Leider ist Oracle gezwungen, als Verteidigungsstrategie ausgewählte Patente
zu beantragen, welche die besten Möglichkeiten für Cross-Licensing-Geschäfte
zwischen Oracle und anderen Firmen, die Patentverletzungen unterstellen
könnten, bieten.
[Oracle Corporation Patent Policy]
Oracle ist gezwungen, einen nennenswerten Teil seiner Finanzmittel in den
Patentschutz seiner Werte zu stecken, anstatt diese Ressourcen für die
weitere Innovation und den Ausbau seiner Computersoftware-Produkte zu nutzen.
[Oracle Corporation Patent Policy]
3.6 (Patent)Anwälte 
Patente werden als Angriffsmittel benutzt. […]
Wenn man keine Patente hat, hat man keine Waffen auf Lager."
[John MacPhail, Partner, Baker & McKenzie (eine der größten Anwaltskanzleien der Welt)]
Alleine in Australien sind 10.000 Anmeldungen in [dieser] Klasse eingereicht
worden… Wenn man jemals versucht, eine Suche in dieser Klasse durchzuführen,
dann versucht man, Schlüsselwörter zu finden, und man stellt sogleich fest,
dass all die Wörter, die einem in den Sinn kommen, in den meisten anderen
Patentbeschreibungen auch enthalten sind. Vielleicht kriegt man die Liste
auf 7.000 reduziert.
[Bob Kemp, Patentrechercheur, R. E. Kemp & Co.]
3.7 Presse 
Softwarepatente schaffen Arbeitsplätze — allerdings in Redmond, und nicht
in München.
[Der Spiegel (Nachrichtenmagazin)]
Reback erzählt oft die Geschichte davon, wie ein Team von IBM-Patentanwälten
in den 1980er Jahren zu Sun Microsystems Inc. ging und behauptete, dass
das damalige Start-up sieben seiner Patente verletzte. Nachdem Ingenieure
von Sun erklärt hatten, warum sie keine Patentverletzung begingen, sagten
die IBM-Anwälte, dass sie unter 10.000 Patenten auch sicher irgendwo eine
Patentverletzung finden könnten.
[The Washington Post]
Intel's [Aufsichtsratsvorsitzender] Grove belächelt solche Patentinhaber
dafür, dass sie wenig Interesse am Produzieren von Waren zeigen und ihre
Absichten mehr dahin gehen, Lizenzgebühren von anderen einzufordern. "Wir
nennen sie Trolle," sagte er.
[The Washington Post]
Die Patentsysteme der Welt brauchen eine Reform, damit Innovationstätigkeit
ordnungsgemäß belohnt werden kann. (…) Es wird immer klarer, dass das
Patentwesen nicht funktioniert.
[The Economist (11. November 2004)]
Die Firma Microsoft warnte asiatische Regierungen am Donnerstag, dass diese
patentrechtlich verklagt werden könnten, wenn sie das Betriebssystem Linux
anstelle von Microsoft's Windows-Software einsetzen.
[Nachrichtenagentur Reuters (18. November 2004)]
3.8 PriceWaterhouseCoopers 
Es gibt spezielle Bedrohungen für die europäische Informations-
und Kommunikationstechnologiebranche, etwa die derzeitige
Softwarepatent-Diskussion.
[PriceWaterhouseCoopers]
Der milde Schutz von geistigem Eigentum in der Vergangenheit hat zu einer
sehr innovativen und wettbewerbsintensiven Softwareindustrie mit niedrigen
Eintrittsbarrieren geführt. Ein Patent auf Software, das sich auf Erfindungen
einer nicht-technischen Art bezieht, könnte die hohe Innovationskraft abtöten.
[PriceWaterhouseCoopers]
Viele Großunternehmen, die auf globaler Ebene operieren, darunter auch
europäische, scheinen die Patentierung von Software zu begrüßen. Aber die
meisten kleinen Unternehmen sind stark dagegen.
[PriceWaterhouseCoopers]
Nur sehr wenige europäische Unternehmen haben sich auf die Konsequenzen von
Softwarepatenten vorbereitet. Das wirft die Frage auf, welche Wechselwirkung
die Einführung von Softwarepatenten in Europa mit einer europäischen
Strategie hat, die auf dem weit verbreiteten Einsatz von Informations-
und Kommunikationstechnologien basiert.
[PriceWaterhouseCoopers]
3.9 Software-Firmen 
Die Natur von Software ist, dass sie ein Schriftstück ist, ein Ausdruck
mathematischer Ideen. Das Urheberrecht schützt diesen Ausdruck, und das tut
es, ohne kostspielige und zeitraubende Verfahren zu erfordern.
[Douglas Brotz, Wissenschaftlicher Leiter, Adobe Systems (1994)]
Die Regierung und die Geldzähler dürfen nicht von uns unsere Denkvorgänge
wegsperren - nicht einmal dann, wenn wir diese mit Hilfe von Symbolen
auf Papier oder Aufgabenausführungen auf Rechnern oder mit Programmen in
Computern ausführen.
[Jim Warren, Aufsichtsrat, Autodesk (1994)]
Der Geist ist immer sakrosankt gewesen. Die Forderung, dass Denkvorgänge
und logische Prozeduren (die nicht in erster Linie Geräte manipulieren)
besessen oder monopolisiert werden können, dehnt Geldgier und Habsucht viel
zu weit aus.
[Jim Warren, Aufsichtsrat, Autodesk (1994)]
3.10 Sonstige 
Die derzeit noch offene Frage der Ausweitung des Patentrechts auf
den Bereich von Software stellt eine grundsätzliche Bedrohung des
Open-Source-Entwicklungsmodells dar.
[Kieler Institut für Weltwirtschaft]
Analysiert man die Ursachen dieser Entwicklung [der mangelnden Sicherheit heutiger IT-Produkte],
und das haben wir im Gutachten getan, so stellt man fest, dass:
1. der gesetzliche Schutz für Software (komplementärer Schutz durch Urheber- und Patentrecht)
2. im Zusammenspiel mit den Entwicklungsmethoden der meisten Software-Hersteller und
3. den wirkungslosen gesetzlichen Haftungsregelungen
die Entwicklung und massenhafte Verbreitung unsicherer Software-Produkte fördert.
[Robert A. Gehring, Technische Universität Berlin]
© 2003-2012 OSTC GmbH — $patent.pg,v 1.31 2009-05-28 09:51:50$
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