HOWTO zur Shell-Quotierung

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$Id: shell-quoting-HOWTO.txt,v 1.17 2018/07/31 06:13:41 tsbirn Exp $

Dieses Dokument beschreibt die verschiedenen Verfahren zur Quotierung von
Shell-Sonderzeichen.

Inhaltsverzeichnis

1) Shell-Sonderzeichen
2) Quotierung
3) Beispiel

1) Shell-Sonderzeichen   (Toc)

Die Shell kennt eine Reihe von Sonderzeichen, die nicht für sich selbst stehen,
sondern von ihr speziell interpretiert werden und dann bestimmte Funktionen
auslösen (26 Stück!):

  +--------------------------------------------------+
  |   *   ?   [   ]   =   $   <   >   |   &   \      |
  |   "   '   `   ;   (   )   {   }   ~   ^   !   #  |
  |          <Space>   <Tabulator>   <Return>        |
  +--------------------------------------------------+

2) Quotierung   (Toc)

Sollen diese Zeichen nicht ihre Sonderbedeutung haben, sondern als ganz
normaler Text interpretiert werden, so sind sie vor der Shell zu "schützen",
der Fachausdruck dafür ist "quotieren" (zitieren). Die Shell kennt 3
verschiedene Möglichkeiten des Schützens von Zeichen, die für unterschiedliche
Anwendungsfälle benötigt werden:

  +-------+--------------------------------------------------------------------+
  | Typ   | Bedeutung                                                          |
  +-------+--------------------------------------------------------------------+
  | '...' | ALLE Sonderzeichen in ... abschalten          [tick, single quote] |
  | "..." | ALLE Sz. BIS AUF $, $(...), `...`, \, ! abschalten  [double quote] |
  | \Z    | GENAU EIN (folgendes) Sonderzeichen Z abschalten       [backslash] |
  +-------+--------------------------------------------------------------------+

Die Quotierung per "..." wird auch als "schwach" (weak) bezeichnet, da sie
nicht alle Sonderzeichen abschaltet. Die Quotierung per '...' und \ wird als
"stark" (strong) bezeichnet, weil sie ALLE Sonderzeichen abschaltet.

Hier eine Übersicht über die von den Quotierungszeichen geschützten (*) bzw.
NICHT geschützten (-) Sonderzeichen (CR=Zeilenende, Hst=Kmdo-History,
e=Ende, w=wörtlich übernommen, i=Ignoriert):

  +-------+------+--------------+---+---+------+---+---+------------+---+------+
  |       |      | Kmdo-Substit |Hst|   | Glob |   |   | Whitespace | C |      |
  | Typ   | $VAR | `...` $(...) | ! | \ | *?[] | " | ' | (TAB/NL/SP)| R | Rest |
  +-------+------+--------------+---+---+------+---+---+------------+---+------+
  | "..." |  -   |      -       | - | - |  *   | e | * |     *      | w |  *   |
  | '...' |  *   |      *       | * | * |  *   | * | e |     *      | w |  *   |
  |  \Z   |  *   |      *       | * | * |  *   | * | * |     *      | i |  *   |
  +-------+------+--------------+---+---+------+---+---+------------+---+------+

Zweck der beiden Quotierungs-Varianten "..." und '...' ist es, zu unterscheiden,
ob man den WERT einer Variablen (oder die AUSGABE eines Kommandos) nach dem
Einsetzen in eine Kommandozeile NOCHMALS von der Shell interpretieren lassen
möchte oder nicht. Bei "..." wird nochmal interpretiert, bei '...' nicht.
Beispiel:

  VAR="*"       # Variable VAR den Text "*" (STERN) zuweisen
  echo $VAR     # => Alle Dateinamen des akt. Verz. (2x ausgewertet)
  echo "$VAR"   # => *                              (1x ausgewertet)
  echo '$VAR'   # => $VAR                           (0x ausgewertet)
  echo \$VAR    # => $VAR                           (0x ausgewertet)

HINWEIS: Die Zeichen `...` (backtick, left quote) führen das dazwischen
stehende Kommando aus und setzen das Ergebnis (die Standard-Ausgabe des
Kommandos) an dieser Stelle ein:

  DATE=`date +%D`         # Aktuelles Datum zuweisen (yy/dd/mm)
  DATE=`date +%d.%m.%Y`   # Aktuelles Datum zuweisen (dd.mm.yyyy)
  TIME=`date +%T`         # Aktuelle Uhrzeit zuweisen (HH:MM:SS)

Sonderzeichen in der erzeugten Ausgabe werden automatisch per \ geschützt.
In der Bash ist statt `...` auch $(...) zur Kommando-Substitution verwendbar:

  DATE=$(date +%D)         # Aktuelles Datum zuweisen (yy/dd/mm)
  DATE=$(date +%d.%m.%Y)   # Aktuelles Datum zuweisen (dd.mm.yyyy)
  TIME=$(date +%T)         # Aktuelle Uhrzeit zuweisen (HH:MM:SS)

3) Beispiel   (Toc)

Hier ein Beispiel für die Kombination vieler Sonderzeichen in einem
Shell-Kommando (statt `...` kann in der bash auch $(...) zur
Kommando-Substitution verwendet werden):

  echo * $TERM `date` > xxx &               Kommando echo + 6 Argumente, alle
      ^^^     ^^    ^^^^   ^^               Sonderzeichen werden ausgewertet,
      +++-----++----++++---++---------------(insbesondere 6x das Leerzeichen)
                                            d.h. alle Dateinamen des akt. Verz.,
                                            der Wert der Variablen TERM und
                                            das aktuelle Datum landen in
                                            Datei "xxx" und Kommando "echo"
                                            wird im Hintergrund ausgeführt

  echo "* $TERM `date` > xxx &"             Kommando "echo" + 1 Argument,
      ^^  ^     ^    ^        ^             NUR $TERM und `date` ausgewertet
      ++--+-----+----+--------+-------------(und 1x das Leerzeichen)

  echo '* $TERM `date` > xxx &'             Kommando "echo" + 1 Argument,
      ^^                      ^             KEIN Sonderzeichen wird ausgewertet
      ++----------------------+-------------(außer 1x das Leerzeichen)

  echo \* \$TERM \`date\` \> xxx \&         Kommando "echo" + 6 Argumente
      ^  ^      ^        ^  ^   ^           KEIN Sonderzeichen wird ausgewertet
      +--+------+--------+--+---+-----------(außer 6x das Leerzeichen)

  echo \*\ \$TERM\ \`date\`\ \>\ xxx\ \&    Kommando "echo" + 1 Argument
      ^                                     KEIN Sonderzeichen wird ausgewertet
      +-------------------------------------(außer 1x das Leerzeichen)
                                            (analog 3. Befehlszeile)

  echo\ \*\ \$TERM\ \`date\`\ \>\ xxx\ \&   1 Kommando (1. Wort) => Fehler
                                            "bash: ...: command not found"

  'echo * $TERM `date` > xxx &'             (analog vorherige Befehlszeile)